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Richtig füttern

Jeder tut es. Hoffentlich. Aber weiss auch jeder wirklich was er da tut ?

Die auf den Futterdosen abgebildeten Fische geben zwar einen groben Hinweis für welches Tier dieses Futter geeignet sein mag aber was tun wenn mein Tier nirgends abgebildet ist? Machen wir doch einen kurzen Ausflug in die Welt des Futters.

Man könnte Bücher zu diesem Thema schreiben aber wir wollen uns kurz fassen und uns mit einem schnellen Überblick begnügen. Ausführlichere Informationen erhält man im Fachgeschäft.

Futtertechnisch betrachtet unterscheiden sich unsere Zöglinge in drei grosse Gruppen:

  • Die Allesfresser (die Omnivoren)
  • Die Pflanzenfresser ( die Herbivoren)
  • Die Fleischfresser (die Carnivoren)

Dementsprechend bietet der Handel auch Flocken, Granulate, Pellets, Wafers, Sticks, Pasten, Tabletten und Staubfutter für jede der drei Kategorien an. Wer seinem Pflanzenfresser nun herbivore Kost anbietet macht schon mal nicht alles falsch, darf sich aber nicht wundern wenn der Fleischfresser dieses Futter verschmäht und vor sich hin vegetiert. Zu wissen welche Tiere man pflegt und welche Ansprüche sie haben ist also wieder einmal eine grundlegende Voraussetzung für ein gut funktionierendes Becken und gesunde Tiere.

Genauso wichtig wie das Futter der richtigen Gruppe für das richtige Tier ist die Vielfalt und Abwechslung innerhalb der Futterkategorie zu gewährleisten.

Trockenfutter bildet gemeinhin die Basis für die tägliche Fütterung. Daneben sollte Frostfutter fester Bestandteil des Speiseplans sein. Dieser sollte dann durch Lebend- resp. Frisch- und Grünfutter ergänzt werden.

Die Klassiker des Frostfutters sind Artemia salina, Wasserflöhe (Daphnia), rote, weisse und schwarze Mückenlarven sowie Tubifex. Diskusfutter ist noch ein weiteres, grosses Kapitel und wird vielleicht einmal separat behandelt werden.

Ebenfalls zum Frostfutter zählen verschieden pflanzliche Sorten und Mischungen. Mischfutter ist ebenfalls im carnivoren/omnivoren Bereich eine gerngesehene Alternative.

Frostfutter sollte optimalerweise zuerst aufgetaut und in einem Küchenkrepp oder Artemiasieb abgespült werden. Das Tauwasser gehört nicht ins Aquarium. Die wenigsten Aquarianer befolgen jedoch diese Regel. Der Autor dieser Zeilen inbegriffen 🙂

Kommen wir dann noch zum Lebendfutter. In der Kategorie Pflanzenfutter sprechen wir dagegen von Grünfutter (Salat und Gemüse).

Lebendfutter besteht in der Regel aus Frostfuttertieren bevor sie eingefroren wurden, also ebenfalls Artemia salina, Wasserflöhe (Daphnia), rote, weisse und schwarze Mückenlarven sowie Tubifex.

Auch dieses Futter sollte durch ein Sieb laufen um die Nährlösung vom Futter zu trennen. Und dies ist wirklich wichtig, das macht sogar der Autor. Lebendfutter muss zwingend gekühlt werden und sollte innerhalb weniger Tage verfüttert sein. Trübe und übelriechende Beutel sowie tote Larven sollten entsorgt werden.

Grünfutter muss unbehandelt sein und sollte kurz mit heissem Wasser übergossen werden. Nach spätestens 24 Stunden sollten eventuelle Überreste wieder aus dem Wasser entfernt werden.

Lebendfutter regt den Jagdtrieb der Tiere an und wer dies einmal im Becken beobachtet hat weiss, dass Lebendfutter einfach dazugehört.

Das war der Überblick. Feinheiten wie Aufzuchtfutter, Proteingehalt sowie Ausbrüten von Artemiaeiern sind weitere interessante Themen und werden behandelt wenn die Zeit es zulässt.

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Das Aquarium und die Sommerhitze

Ein in den Sommermonaten immer wiederkehrendes Thema ist die Frage was man gegen ein ungewolltes Ansteigen der Wassertemperatur machen kann. Wir wollen hiermit kurz darauf eingehen.

Beginnen wir damit, dass es wichtig ist zu wissen welche Bedürfnisse unsere Zöglinge überhaupt haben. Das kunterbunte Mischbecken – auch gerne abwertend Fischsuppe genannt – macht die Beantwortung dieser Frage nicht einfacher. Immer wieder weisen wir darauf hin wie wichtig es ist den Besatz sorgsam abzustimmen. Ein Grund ist, dass man in einem Becken sehr schwer verschiedene Temperaturzonen einrichten kann. Deshalb sollte der Besatz identische Ansprüche an die Wassertemperatur haben.

Kommt es nun durch hohe Aussentemperaturen zu einem Anstieg der Wassertemperatur ist zwar Vorsicht geboten aber es gibt noch keinen Grund zur Panik. Die wenigsten Tiere gehen durch hohe Wassertemperaturen durch Sommerhitze ein…

Handelt es sich vorraussichtlich nur um eine kurze Hitzewelle von ein, zwei Tagen ist überhaupt nichts zu beachten. Dies kommt auch in ihren heimischen Gefilden vor und die Tiere haben im Allgemeinen kein Problem mit einem Anstieg von zwei oder drei Grad Celsius. Da allerdings bei steigender Temperatur die Sauerstoffsättigung des Wassers fällt ist es ratsam in diesen Perioden einen Belüfterstein ins Becken zu hängen. Nach Luft schnappende Tiere an der Oberfläche sind eindeutige Alarmsignale. Die Co2-Düngung zu drosseln kann sich auch als sinnvolle Vorsichtsmassnahme erweisen.

Man kann auch Einiges tun um ein Ansteigen der Wassertemperatur etwas auszubremsen:

  • die Abdeckung öffnen damit Stauwärme entweichen kann (mittels Netz oder Gitter sicherstellen, dass sich keine Gäste unerlaubterweise aus dem Becken entfernen.
  • Die Beleuchtung abschalten (Röhren und Leds – wenn auch weniger – produzieren Abwärme). Ein paar Tage ohne Licht schadet weder den Tieren noch den Pflanzen.
  • Eiswürfel oder gefrorene Wasserflaschen ins Becken geben
  • Ein täglicher kleiner Teilwasserwechsel
  • Einen Ventilator oder speziellen Aquariumlüfter derart aufstellen, dass ein Luftstrom über das Wasser weht. Wir kennen diese Form der Verdunstungskälte vom morgendlichen Pusten in die heisse Kaffeetasse.
  • Die Option eines kompressorgetriebenen Wasserkühlers ist die Ultima Ratio und verlangt nach einem nicht unerheblichen finanziellen Einsatz.

Es sei jedoch nochmal betont: bitte keinen blinden Aktionismus. Bei ausreichender Belüftung sind Probleme mit Süsswasserbecken extrem selten

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Das Aquarium während der Urlaubszeit

Alle Jahre wieder die gleiche Frage der Kunden : was tun mit dem Aquarium während wir im Urlaub sind ? Wie lange können die Tiere ohne Futter bleiben?

Doch eins nach dem anderen.

Vor jedem längeren Urlaub empfiehlt es sich die Funktion des Filters zu überprüfen. Sollte der Reinigungsintervall in die Urlaubszeit fallen sollte die Reinigung vorgezogen werden. Ein Teilwasserwechsel ist auch sinnvoll (Achtung: niemals gleichzeitig mit Filterreinigung vornehmen, immer ein paar Tage dazwischen abwarten). Diese Massnahmen nicht unbedingt einen Tag vor der Abfahrt vornehmen. Bei unerwarteten Problemen behält man so immer noch etwas zeitlichen Handlungsspielraum.

Nun zum Problem der täglichen Fütterung

Pauschale Angaben wie lange ein Tier ohne Futter gehalten werden kann lehnen wir grundsätzlich ab. Obwohl ein paar Tage Fasten für Tiere welche gut im Futter stehen kein Problem darstellen entspricht diese Überlegung nicht unserer Vorstellung einer artgerechten Haltung.

Man kann auf diverse Futterautomaten zurückgreifen, jedoch raten wir davon ab. Das Risiko einer Fehlfunktion oder eines Ausfalls ist immer gegeben. Ausserdem lässt einen die Benutzung eines Automaten in der Annahme „es sei ja alles in Ordnung“.

Wir empfehlen die täglichen Futterrationen abzupacken und eine Vertrauensperson in die Vorgehensweise einzuweisen. Ausserdem kann so geprüft werden ob es keine technischen Probleme gibt oder etwa ein grösseres Tier eingegangen ist und nun im Wasser verwest. In beiden Fällen besteht akuter Handlungsbedarf.

Schreiben Sie der Vertrauensperson die Nummer Ihres Zoofachgeschäftes (ich wüsste da eins…) auf um im Notfall Hilfe erhalten zu können. Es ist ungemein hilfreich wenn diese Person die wichtigsten technischen Elemente benennen kann, dies ermöglicht eine bessere telefonische Hilfestellung.

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Do’s und Don’ts im Aquarium

Fast täglich werden wir mit Anfängerfragen konfrontiert und leider werden diese Fragen sehr häufig zu spät gestellt. Wir versuchen mit dem folgenden kleinen Text auf die grössten Anfängerfehler aufmerksam zu machen, dies im Interesse der Tiere und Eures Geldbeutels.

Vor dem Kauf

Bist Du bereit täglich dem Aquarium etwas Zeit, sagen wir 10 Minuten, zu opfern? Ein- bis zweimal im Monat steht Wasserwechsel und Filterreinigung an (niemals beides zusammen!). Dies verlangt nach etwas mehr Zeit. Bist Du auch dazu bereit?

Welche Tiere möchtest du pflegen? Vor dem Kauf eines Aquariums solltest Du Dir Gedanken über Art und Anzahl der Tiere machen welche Du pflegen möchtest. Dies bestimmt wie gross das Aquarium sein muss und Du gehst nicht mit falschen Vorstellungen ins Zoofachgeschäft. Verlasse Dich niemals blind auf die Beratung im Geschäft. Manche Geschäfte machen ihre Sache gut, manche leider nicht. Im Endeffekt bist allein DU verantwortlich für das Wohlergehen der Tiere.

Nach dem Kauf

Wir setzen jetzt voraus, dass Du ordentlich beraten wurdest und ein Aquarium erstanden hast welches zu Deinem zukünftigen Fischbesatz passt. Technikfragen wie “Aussen- oder Innenfilter, Röhre oder LED, warum Co2-Düngung” sollen Dich am Anfang nicht verunsichern. Eine adäquate Beratung sollte diese Detailfragen schon geklärt haben. Falls nicht: JEDER Filter funktioniert sofern er richtig dimensioniert ist. Die Unterschiede, bzw. die Vor- und Nachteile wirst Du im Laufe der Zeit kennenlernen und Du kannst dann immer noch umsatteln.

Vor Dir steht jetzt also ein leeres Aquarium (welch trauriger Anblick), inklusive Beleuchtung, Filter und in den meisten Fällen auch einem Regelheizer. Bevor wir mit dem Einrichten beginnen noch zwei Sicherheitshinweise:
– unter jedes Becken gehört eine Sicherheitsunterlage aus Moosgummi um Spannungen und leichte Unebenheiten auszugleichen
– bei Arbeiten im Wasser ist der Heizregler vom Stromnetz zu trennen (gilt auch beim Wasserwechsel)

Die Einrichtung

Vorab: Kunststoff hat im Aquarium nichts zu suchen! Es besteht immer die Gefahr, dass sich mit der Zeit giftige Stoffe im Wasser lösen – mit verheerenden Folgen. Die zählt ganz besonders für farbigen Kies. Von der Beleidigung für die Augen wollen wir nicht mal sprechen 🙂

Wir beginnen mit dem Bodengrund. Feiner Kies (immer auswaschen), naturbelassen, optimalerweise abgerundet, mehr braucht es nicht. Von Soil raten wir dringend ab, ausser bei Scaperbecken.

Alternativ kann man auch feinen (aquariumtauglichen) Sand verwenden, dieser wird jedoch schlechter durchflutet. Man sollte in dem Fall unbedingt auf die Hilfe von Panzerwelsen und/oder Turmdeckelschnecken zum Durchwühlen zurückgreifen.

Da das Thema Pflanzen schon etwas weiter reicht verweisen wir hier wieder an die Beratung im Fachgeschäft. Soviel sei gesagt: schnellwachsende Pflanzen wie die Vallisnerie helfen besonders zu Anfang überschüssige Nährstoffe aufzunehmen und helfen dadurch unerwünschten Algenwuchs in Grenzen zu halten.

Nun das Becken fluten und die Temperatur auf ca. 25 bis 25° Celsius einstellen. Je nach Besatz muss dies eventuell noch angepasst werden.

Das war’s fürs Erste. Das Aquarium muss jetzt “einlaufen”, dh. verschiedene Bakterienpopulationen müssen sich jetzt im Filter bilden welche nachher die biologische Filterung übernehmen wodurch es überhaupt erst möglich ist Fische ohne täglichen Wasserwechsel im Aquarium zu halten.

Diese Phase kann ein paar Wochen dauern, wir raten immer dazu mindestens 4 Wochen zu warten. Während dieser Phase sollte man minimal füttern damit die Bakterien auch etwas zum Abbauen haben. Die Zugabe von Filterstartbakterien kann die Einlaufphase unterstützen. Eine Wasseranalyse von Zeit zu Zeit veranschaulicht das Ansteigen (Peak) und Abfallen des Nitritwertes. Ist dieser Wert wieder gegen 0 gefallen kann man sich über die ersten Tiere Gedanken machen.

Die ersten Tiere

Das A und O eines gut laufenden Aquariums ist ein gut abgestimmter Fischbesatz!

Jedes Tier hat spezielle Ansprüche an die Wasserwerte, Temperatur, Grösse und Einrichtung des Aquariums, Strömung und Wasserbewegung, Sauerstoffsättigung und nicht zu vergessen: an seine Mitbewohner.

Informiert Euch im Vorfeld selbst, teilt dem Verkäufer Eure Vorstellungen mit und lasst Euch beraten ob der Besatz passt oder Änderungen vorgenommen werden sollten. Es gibt immer eine Lösung. Beachtet die Ansprüche an die Wasserwerte, Temperatur, Einrichtung (Deko, Höhlen und Rückzugsmöglichkeiten) sowie die Charaktereigenschaften.

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Geschichte des Aquariums

Ursprünge

Die Haltung von Fischen in einer künstlichen Umgebung hat eine weit zurückreichende Vergangenheit. Bereits die Sumerer hielten gefangene Fische in Teichen, bevor sie sie für Mahlzeiten zubereiteten. Ähnliches ist aus dem alten Ägypten bekannt. Für alle Tempelgärten von der frühdynastischen Zeit bis zum Neuen Reich gilt, dass sie mit rechteckigen Wasserbassins ausgestattet waren. Auch in den häufig relativ kleinen ägyptischen Hausgärten hatten künstlich angelegte Teiche und Becken eine zentrale Rolle inne. Auf einem altägyptischen Gartenmodell, das sich heute im Metropolitan Museum in New York befindet, nimmt das von Maulbeerfeigen umrahmte Wasserbecken fast die ganze Gartenfläche ein. Aufgrund von Abbildungen, die man in der Ausgrabungsstätte Oxyrhynchus gefunden hat, weiß man, dass in solchen Becken Fische gehalten wurden.

Ähnlich alt ist die Haltung von Fischen in China. Die gezielte Züchtung von Karpfen begann vermutlich vor ca. 2500 Jahren; das älteste Buch zur Fischzucht datiert in die Zeit von 770 bis 476 v. Chr. Während der Song-Dynastie (960–1216 n. Chr.) begann die Domestikation des Goldfisches aus der Silberkarausche, ab dem frühen 16. Jahrhundert ist belegt, dass Goldfische in großen Keramikgefäßen auch in Häusern gehalten wurden. 1596 erschien das erste Buch zum Thema Aquarium von Chang Chi’en-te mit dem Titel „Chu sha yü p’u“, auf Deutsch „Traktat über die Goldfische“.

Die ersten Hinweise auf die Haltung von Nutzfischen im antiken Rom stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Zunächst waren es Süßwasserbecken, in denen Bauern Fische zum Verzehr zogen. Zu Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. begann die kommerzielle Zucht von marinen Fischen in Meerwasserbecken von Angehörigen der Oberschicht. Schon bald wurden Fische darin vor allem zur Zierde gehalten. Die Meerwasserbecken erreichten in der Folge immer größere Ausmaße und nahmen im 1. Jahrhundert n. Chr. weite Abschnitte der mittelitalienischen Westküste ein. Ihr Betrieb entwickelte sich seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. zu einem Statussymbol einer elitären Oberschicht. Für etwa einhundert Jahre wurde Fischhaltung ein integraler Bestandteil gehobener römischer Lebensweise, nicht selten mit Hang zur Verschwendung und Dekadenz. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. forderte die neue flavische Dynastie Bescheidenheit und Sparsamkeit. Nachfolgend verlor die Fischhaltung als Mode rasch an Bedeutung.

Der Beginn der Aquaristik in Europa

Der genaue Zeitpunkt, zu dem erstmals Lebewesen in durchsichtigen Behältern gepflegt wurden, lässt sich nicht genau bestimmen. Der englische Tagebuchschreiber Samuel Pepys notierte 1665 in seinen Aufzeichnungen, dass er in London Fische gesehen habe, die in einem Wasserglas am Leben gehalten wurden. Am wahrscheinlichsten handelte es sich um Goldfische. Genannt werden auch Paradiesfische, die durch die Handelsbeziehungen der East India Company aus Kanton, wo sie in Gartenteichen gehalten wurden, nach London gelangten. Zunächst waren es vor allem naturwissenschaftliche Forscher, die Lebewesen in Behältern hielten, um daran ihre Untersuchungen vorzunehmen. Der britische Chemiker Joseph Priestley beispielsweise, der 1774 gleichzeitig mit dem in Schweden arbeitenden Stralsunder Carl Wilhelm Scheele den Sauerstoff entdeckte, nahm weitergehende Untersuchungen zum Sauerstoff an Wasserpflanzen vor, die er in seinem Labor hielt.

Den Begriff „Aquarium“ prägte allerdings der englische Naturforscher Philip Henry Gosse in seiner 1853 erschienenen Veröffentlichung „A Naturalist’s Rambles on the Devonshire Coast“. Das Buch fand in der britischen Öffentlichkeit sehr großen Anklang. Ein Jahr später erschien sein Buch „The Aquarium: an Unveiling of the Wonders of the Deep Sea“. Es kam in Mode, Lebewesen zumindest kurzfristig in kleinen Glasbehältern zu pflegen, um sie besser studieren zu können. In Deutschland war es vor allem der Naturforscher, Pädagoge und Schriftsteller Emil Adolf Roßmäßler, der mit verschiedenen Artikeln dieses Hobby in Deutschland populär machte. Er wird daher scherzhaft auch als „Vater der deutschen Aquaristik“ bezeichnet. 1854 erschien von ihm in der damals populären Familienzeitschrift Die Gartenlaube der Artikel Der Ocean auf dem Tisch. Ähnlich wie Gosse stellte er hier die Pflege von Seewassertieren vor. Roßmäßler verfolgte mit der Veröffentlichung das Ziel, die Naturwissenschaft im Volk bekannt und populär zu machen. Ihm wurde allerdings bald klar, dass dies durch ein Süßwasseraquarium einfacher zu erzielen war. Deswegen folgte in der Gartenlaube sehr bald der Artikel Der See im Glase, der zu so viel Rückfragen zu dieser Form der Tierhaltung führte, dass er 1857 sein Buch Das Süßwasseraquarium veröffentlichte. Roßmäßler gab darin konkrete Hinweise, wie ein solches Aquarium einzurichten und zu pflegen sei. Neben dem Goldfisch empfahl er vor allem die Elritze und den Schlammpeitzger.

Roßmäßlers Veröffentlichungen folgten eine Vielzahl von weiteren Aquarienbüchern und -zeitschriften. Aquarienvereine wurden in ganz Deutschland gegründet. Es wurde modern, in den Wintergärten der Gründerzeitvillen ein sogenanntes Salonaquarium oder ein Goldfischglas aufzustellen.

Hier leben die Tiere genauso wie in der Freiheit – anders als die in Käfigen gefangenen Vögel, Reptilien und Insekten. Durch nichts gehemmt und eingeengt, zeigen sie sich dem Beobachter in ihrer ganzen Naturwüchsigkeit, in ihrer vollen Natürlichkeit. (zit. n. Horst & Kipper, S. 12) hieß es in einem 1880 veröffentlichten Aquarienbuch.

Aus heutiger Sicht ist diese euphorische Sicht nicht zutreffend. Man hatte zur damaligen Zeit wenig Wissen über die Bedürfnisse der gehälterten Lebewesen oder die im Aquarium ablaufenden Prozesse. Aquarien wurden damals teilweise noch mit Kerzen geheizt, die unter dem Aquarium aufgestellt wurden. Im Herbst starben die Pfleglinge sehr häufig, weil es dem Wasser an Sauerstoff mangelte und man nicht in der Lage war, für eine ausreichende Beleuchtung der Aquarien zu sorgen.

Kontroverse gesellschaftliche Diskussionen entstanden bezüglich der Fragen, ob innerhalb der Aquaristik auch Frauen Fische züchten dürften und ob nur einheimische Arten oder auch „Exoten“ gehalten werden sollten.

Entwicklungen bis heute

Die Weiterentwicklung der Aquaristik während der letzten einhundert Jahre ist vor allem auf das Verständnis zurückzuführen, dass ein Aquarium in der Regel ohne entsprechende technische und chemische Unterstützung keinen Lebensraum für Fische und Pflanzen bieten kann. Der Schwerpunkt der technischen Weiterentwicklung lag dabei vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausschlaggebend war neben einem zunehmenden Wissen über die biologischen und chemischen Vorgänge in einem Aquarium die Verfügbarkeit von Materialien für den Bau immer ausgefeilterer Aquarienfilter, verbesserter Beleuchtungssysteme und kleinerer Pumpen sowie eine ausreichende Kaufkraft eines genügend großen Anteils der Bevölkerung, der bereit war, in dieses Hobby zu investieren und solche Produkte nachzufragen. Auch in den Communitys findet das Thema zusehends seine Verbreitung.

Aquarien können aus unterschiedlichen Materialien gefertigt sein. Bis Ende der 1960er Jahre waren die meisten Aquarien Rahmenaquarien, bei denen Glasscheiben in Metallrahmen eingekittet und z.B. mit Bitumen abgedichtet wurden, oder Vollglasaquarien bis etwa 20 Liter Fassungsvermögen. Eine entscheidende Konstruktionsänderung kam erst mit der Entwicklung der Silikonkleber, welche die früheren Metallrahmen überflüssig machten. Damit waren rahmenlose Aquarien in den verschiedensten Größen und Formen möglich. Die typischen Aquarien der 1960er und 1970er Jahre waren meist an den Seiten mit Holz verkleidet. Damit sollte sichergestellt werden, dass sich das Aquarium harmonisch in die Wohnung einfügte. In dieser Zeit wurde zunehmend auch Wert auf eine harmonische Pflanzenvielfalt im Becken gelegt, so dass das holländische Pflanzenaquarium entstand.

Für die Aquarien gibt es verschiedene Möglichkeiten und Methoden zur Temperatureinstellung. Gebräuchlich sind Kontaktthermometer, elektronische Regeleinrichtungen und manuelle Temperatureinstellung. Heute haben die in Aquarien verwendeten Stabheizungen Messsonden, die eine gradgenaue Einstellung ermöglichen, ohne dass Zusatzgeräte erforderlich sind. Elektronische Einrichtungen erlauben teilweise auch eine zeit- oder tageslichtgesteuerte Temperaturführung entsprechend den täglichen Temperaturschwankungen in den Ursprungsgebieten der Fische. Eine allmähliche Erhöhung der Wassertemperatur, wie sie notwendig ist, um bei einigen Labyrinthfischen die Laichbereitschaft auszulösen, ist mit elektronischen Reglern relativ einfach zu erzielen. Anstelle von in das Becken gehängten Stabheizungen gibt es auch verschiedene Arten von Bodenheizungen. In großen Aquarien findet man oft eine direkte Erwärmung über Heizspiralen, die über die Zentralheizung gesteuert werden.

Auch die Meerwasseraquaristik, die lange Zeit nur von erfahrenen Aquarianern betrieben wurde, ist heute einfacher zu realisieren. Sie gilt jedoch immer noch als anspruchsvoller und auch kostenintensiver als die Süßwasseraquaristik. In der Praxis haben sich nationale Vorlieben herausgebildet. In Deutschland und wohl auch in vielen anderen Ländern werden Riffaquarien vor allem nach dem Berliner System betrieben; viele französische Meerwasseraquarianer nutzen das Jaubert-System und aus Nordamerika kommt neuerdings die Deep Sand Methode, die ein enormes Wachstum von Steinkorallen bei geringem Technikeinsatz möglich macht. Zeovith-Methode oder Algenrefugium sind weitere Pflegemöglichkeiten in der Meerwasseraquaristik. Es lässt sich allerdings keines von ihnen als das „beste“ System bezeichnen. Klassische Filter wie in der Süßwasseraquaristik haben sich nicht durchgesetzt.

 In der Süßwasseraquaristik galt Takashi Amano als einer der einflussreichsten Aquarianer. Er machte das sogenannte Naturaquarium populär, bei dem Landschaftsbilder der Natur nachgebildet werden und das von der japanischen Gartenkunst maßgeblich beeinflusst ist. Es handelt sich dabei keineswegs um Biotop-Aquarien, bei denen ein Lebensraum exakt nachgebildet wird. Ziel ist es vielmehr, ästhetische Landschaften als Kontemplationsobjekte mit den Mitteln der Aquaristik zu gestalten. Vorbilder aus Natur und Phantasie werden dabei ins Aquarium übertragen. Dabei kombinierte Amano Pflanzen, die aus unterschiedlichen Kontinenten stammen, und vergesellschaftete Lebewesen, deren Lebensräume sich in der freien Natur nicht überschneiden.

In eine ähnliche Richtung geht auch ein neuerer Trend der Gestaltung von Aquarien, der sich Aquascaping nennt. Hier steht die ansprechende Gestaltung einer Wasserwelt, etwa mit Pflanzen, im Vordergrund. Häufig werden nur sehr kleine Fische oder Wirbellose eingesetzt, zum Teil wird auch vollständig auf die Verwendung von Tieren verzichtet.

Zunehmend findet sich heutzutage eine Vielfalt von sogenannten „Designaquarien“. Diese Becken haben Säulen- oder Pyramidenform, oder es werden Wandaquarien in Form eines Bildes oder einer Halbkugel mit zu geringem Volumen angeboten, die zur Haltung von Fischen nicht geeignet sind (siehe Goldfischglas). Designer erfinden Beckeneinrichtungen, wie z. B. aus Chromelementen oder Plastikschläuchen, die ebenso unter den Aspekt der Tierquälerei fallen. Die neueste Entwicklung der Aquarienform ist das Bonsai-Aquarium. Hier wird ähnlich einem Paludarium Wert auf einen Landteil gelegt, der mit Wurzeln, Wasserfällen, Moos und kleinen Solitärpflanzen gestaltet ist. Das Becken dieses Aquarientyps hat eine halbierte Front- und abgeschrägte Seitenscheiben.

siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Aquarium

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Definition der Aquaristik

Die Aquaristik umfasst die Tätigkeiten, die mit dem Betrieb eines Aquariums und der Pflege der darin gehaltenen Lebewesen verbunden sind. Die Aquaristik kann professionell (Zoos, Zucht, Wissenschaft) oder amateurhaft (als Freizeitbetätigung) ausgeübt werden. Dabei muss beachtet werden, dass Fische Lebewesen sind, die nach dem Tierschutzgesetz gehalten werden müssen. Personen, die ein Aquarium pflegen, werden als Aquarianer bezeichnet.

Die Aquaristik gliedert sich in die Süßwasseraquaristik und die Meerwasseraquaristik. Diese Unterscheidung richtet sich nach dem Salzgehalt (Salinität) des verwendeten Wassers. Der Salzgehalt in einem Brackwasseraquarium liegt zwischen dem eines Süßwasser- und dem eines Salzwasseraquariums.

siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Aquaristik